Liebesroman

4. Einfach nur Liebe

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Beschreibung:

Karrierefrau Jessica Bening war Chefsekretärin und ist seit einiger Zeit arbeitslos, was sie aufgrund ihrer Vergangenheit nur schwer verkraften kann. 

Endlich hat die Arbeitsvermittlerin einen Job für sie. Voller Vorfreude erscheint sie auf dem Arbeitsamt und kann es nicht glauben. Anstatt eines Angebots als Sekretärin soll sie die 6-jährige Angela bei sich in ihrem Penthouse aufnehmen und sich um sie kümmern, bis der Onkel sie nach Arizona holt.

Zuerst ist Jessica geschockt, nimmt den Job jedoch an. Nach und nach entdeckt sie ihre Mutterqualitäten und schließt die Kleine in ihr Herz. Doch viel zu schnell wird das Mädchen nach Arizona gebracht. Jessica ist zutiefst traurig und schmiedet einen hinterhältigen Plan. Sie fährt nach Arizona, um das Mädchen zu holen. Doch alles kommt anders, als gedacht. Angelas Onkel ist über den Damenbesuch überrascht und Jessica wird von Gefühlen überwältigt, die sie nicht kontrollieren kann. Mit Ablehnung und abweisendem Verhalten versucht sie, dagegen anzukämpfen, was ihr nicht so recht gelingen mag. Ein witziges und sehr romantisches Abenteuer nimmt seinen Lauf.

 



Leseprobe

Prolog - Endlich ein Jobangebot

»Ich hatte da eher so, an einen Job als Chefsekretärin gedacht.« Jessica blickte durch die Glasscheibe zu dem blond gelockten Mädchen, das im Flur auf dem Stuhl saß und einen kleinen roten Koffer umklammerte.

»Es ist nur für ein paar Wochen. Die Mutter des Kindes ist bereits weg, seit es drei Jahre alt war. Der Vater kümmert sich nicht um sie und die Großmutter, bei der es die ganze Zeit war, ist nicht mehr in der Lage sich darum zu kümmern. Deshalb wird die Kleine beim Onkel wohnen müssen. Er wird sie schnellstmöglich abholen und nach Arizona mitnehmen«, erklärte die Arbeitsvermittlerin. »Danach werden wir ganz sicher eine passende Stelle für Sie finden, Miss Bening. Sie haben zwar kein Auto, aber einen Führerschein und der Verlag, für den Sie arbeiteten, hat Ihnen ein ausgezeichnetes Arbeitszeugnis ausgestellt. Außerdem war die Kündigung wegen dieses Stellenabbaus nicht Ihre Schuld. Somit sollte es kein Problem darstellen, Sie wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.«

»Natürlich war die Kündigung nicht meine Schuld. Ja, ich habe den Führerschein. Wozu sollte ich mitten in Calgary ein Auto brauchen?«, rechtfertigte sich Jessica. »Warum holt dieser Onkel das Mädchen eigentlich nicht gleich zu sich nach Hause?«

»Er muss erst die Formalitäten erledigen und ein Kinderzimmer einrichten«, informierte die Arbeitsvermittlerin.

Jessica blickte erneut durch die Scheibe und schüttelte den Kopf. »Ich kann mit Kindern nicht umgehen. Als Sie mich heute Morgen anriefen, teilten Sie mir mit, Sie hätten ein Job für mich, Misses Miller?!«, warf sie der Arbeitsvermittlerin vor.

»Sie bekommen 100 Dollar, um auf die Kleine aufzupassen, bis Mister Winstone seine Sachen erledigt hat«, stellte Misses Miller in Aussicht.

Jessica blickte die Dame kritisch an. »100 Dollar in der Woche?«

Die Arbeitsvermittlerin lächelte triumphierend. »100 Dollar am Tag.«

Jessica runzelte die Stirn. »Warum kommt sie nicht einfach in ein Heim? Dafür sind Heime doch da?«

»Weil es nur für kurze Zeit ist und die Heime momentan ausgelastet sind.«

Jessicas blaue Augen wurden schmal. Erneut blickte sie zu dem Mädchen. »100 Dollar am Tag wäre wohl das Mindeste.« Ihr Blick fiel auf das gelbe Kleidchen und auf die weiße Strumpfhose. »Wie ich sehe, stammt das Kind aus sehr armen Verhältnissen, weil es in Lumpen gepackt ist.«

»Ich würde sagen, sie stammt aus normalen Verhältnissen. Der Vater war alleinerziehend und konnte nur halbtags arbeiten, da bleibt nicht viel für Markenklamotten übrig!«, erklärte die Arbeitsvermittlerin gereizt über Jessicas Arroganz.

Jessica strich sich das blonde lange Haar aus der Stirn. »Wer bezahlt mir das, falls dieses Kind mein Penthouse ruiniert?«

Misses Miller warf einen Blick in die Papiere. »Das ist kein Problem, das Kind ist versichert.«

»Ich weiß nicht, ob ich mit Kindern umgehen kann. Die machen alles kaputt und schmutzig.« Ihr Blick wanderte erneut durch die Scheibe zu Angela Winstone. »Wenn die Schäden und die Kosten bezahlt werden, werde ich es versuchen.«

Misses Miller atmete erleichtert auf. »Ich bin sicher, sogar in Ihnen steckt eine gute Mutter.«

»Warum sogar?«, empörte sich Jessica.

Misses Miller blickte auf die schlanke Frau, die offensichtlich eine Vorliebe für Markenklamotten hatte und auch sonst einen sehr anspruchsvollen und verwöhnten Eindruck machte. »Ich meinte, obwohl Sie doch erst 26 sind.«

»Ich bin 25!«, widersprach Jessica lautstark. »Wie alt ist das Mädchen, falls mich jemand danach fragen sollte?«

»Ihr Name ist Angela Winstone und sie ist 6«, informierte Misses Miller, wobei ihre Stimme genervt klang.

»Ich nehme diese Angela mit«, erklärte sich Jessica einverstanden.

Sie verabschiedete sich von Misses Miller und schritt hinaus in den Flur, wo das Mädchen sie sofort neugierig anstarrte.

Jessica sah Angela mit zusammengezogenen Augenbrauen an. »Hallo, Angela Winstone. Du wohnst bei mir, bis Mister Winstone dich abholen wird. Folge mir!« Jessica lief den Flur entlang in Richtung Ausgang.

»Hallo, Jessica«, rief das Mädchen und eilte Jessica hinterher.

Sie liefen aus dem Gebäude und kamen auf eine belebte Straße. Es herrschte ein sonniger warmer Tag und der Asphalt glitzerte in der Sonne. Jessica lief voraus, blieb an einem Schaufenster stehen, bis Angela nachkam, und lief weiter. Nach wenigen hundert Metern blieb sie an der Tür eines Hochhausgebäudes stehen, bis das Mädchen ankam.

Im Gebäude angekommen blieb Jessica am Fahrstuhl stehen. »Komm!«

Sie betraten den Fahrstuhl, Jessica drückte auf den Knopf, die Tür schloss sich und der Aufzug setzte sich in Bewegung. Mit großen, blauen Augen musterte Angela die elegante Frau. Interessiert und ein wenig verängstigt blickte sie auf ihr schwarzes Jackett über der weißen Bluse, auf den schwarzen Rock, die schwarze Seidenstrumpfhose, die eleganten, hochhackigen Schuhe, den blonden Pferdeschwanz und die golden umrahmte Brille. 

»Du kannst in meinem Gästezimmer schlafen, Angela Winstone«, stellte Jessica im strengen Tonfall in Aussicht.

Das Mädchen wirkte eingeschüchtert. »Ja, M’am.«

»Nenn mich Jessica, M’am klingt so alt«, forderte Jessica unsanft.

Ängstlich blickte sie zu Boden. »Ja, M … Miss Jessica.«

»Du wirst spätestens um 19 Uhr schlafen gehen, nachdem du dich gewaschen, und dir die Zähne geputzt hast!«

Das Mädchen schaute mit gesenktem Kopf mit ihren großen blauen Augen unter ihren blonden Locken hervor. »Ja, Miss Jessica.«

Jessica sah sie von oben herab an. »Ich hoffe, du bist stubenrein und brauchst keine Windeln.«

Die Kleine klammerte sich schützend an das rote Köfferchen vor ihrem den Bauch. »Ich geh immer auf die Toilette, Miss Jessica.«

»In meiner Wohnung wird nicht herumgeschrien, nicht herumgetobt und es werden auch keine Dinge herumgeworfen! Ist das klar?«, knurrte Jessica.

»Ja, Miss Jessica«, antwortete das Kind mit dünner Stimme.

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Kapitel 1 - Angelas Einzug

Endlich öffnete sich die Fahrstuhltür. Jessica lief gefolgt von Angela durch den Flur. Vor einer Tür blieb sie stehen. Sie steckte den Schlüssel ins Schloss, schloss auf und öffnete die Tür. »Das ist mein Penthouse.«

Sie blickten in einen großen, mit dunkelgrauem Veloursteppich belegten Raum. An der Vorderseite befand sich ein riesiges Glasfenster, welches einen grandiosen Ausblick über die Dächer der Stadt bot.

»Setz dich«, forderte Jessica und zeigte auf die große, schwarze Ledercouch, vor der ein schwarzer Marmortisch stand.

Angela gehorchte, setzte sich auf das Sofa und nahm ihr Köfferchen auf den Schoß. Mit halb offenem Mund sah sie sich begeistert um.

»Was ist in diesem Schuhkarton?«, fragte Jessica abwertend und zeigte auf den Koffer.

»Meine Anziehsachen«, erklärte sie, öffnete den Koffer und hob stolz ein grünes Kleidchen hoch.

Jessica hob die Augenbrauen und blickte kritisch drein. »Das sind billige Discounterlumpen und keine Anziehsachen!« Unverzüglich zückte sie ihr Mobiltelefon und tippte eine Nummer ein. 

»Modegeschäft Fernando Hernandez?«, meldete sich eine männliche Stimme.

»Fernando, komm schnell zu mir! Hier sitzt ein Mädchen, das nichts zum Anziehen hat.«

»Wie alt ist dieses Mädchen?«, fragte die Stimme im spanischen Dialekt.

 »Sie ist 6 Jahre.«

»Brauchst du auch Schuhe und Jacken, oder nur Hosen, Oberhemden und Kleider?«

»Bring alles mit, was du für Kinder in ihrem Alter hast, und komm schnell!«, forderte Jessica.

»Ich bin gleich bei dir«, verabschiedete sich Fernando.

Jessica schaute auf die Uhr. »Ich werde uns etwas zum Essen bestellen. Was isst du normalerweise?«

Angela überlegte kurz. »Nudeln?«

»Nur Nudeln?«, wunderte sich Jessica. »Das ist doch kein richtiges Essen?!«

»Nein.« Angela betrachtete ihre Fingernägel. »Ich esse immer Zuckerwatte und Schokolade. Das essen alle Kinder in meinem Alter.«

Jessica runzelte die Stirn. »Das war ein netter Versuch. Du willst mich wohl …? Es gibt Pizza. Was hältst du von Pizzasalami?«

»Ich liebe Pizza«, rief Angela lächelnd und hielt sich sofort die Hand vor den Mund, aus Angst zu laut gewesen zu sein.

Jessica nahm ihr Mobiltelefon und bestellte die Pizzen. Im nächsten Moment klingelte es an der Haustür. Als sie öffnete, stand ein schwarzhaariger, kleiner Mann vor der Tür.

»Hallo, Jessica«, grüßte er und rollte einen großen Schrankkoffer herein. »Wo ist dieses Mädchen?« Er entdeckte sie und starrte sie scherzhaft mit weit aufgerissenen Augen an. »Ist es diese bella Chica?«

Angela kicherte, hielt sich schützend die Hände vors Gesicht, schaute zwischen ihren Fingern hindurch und beobachtete den Mann interessiert.

»Selbstverständlich ist sie das, Fernando. Siehst du sonst noch irgendwo ein Mädchen in meiner Wohnung?«, meinte Jessica ironisch.

»Hola, Angela. Ich bin Fernando und habe schöne Kleider mitgebracht.« Er öffnete den Schrankkoffer und zeigte die verschiedenen Kinderkleider. Jessica wählte einige hübsche Sachen aus und wenige Minuten danach hatte sie für das Mädchen eine vollständige Garderobe, samt einer Handtasche und drei Paar neue Schuhe zusammen.

»Adios, Chicas«, verabschiedete sich Fernando. 

Als er die Tür hinausging, kam gerade der Pizzabote. Jessica stellte die Pizzen auf den Tisch und brachte Angelas neue Kleider ins Gästezimmer. »Du kannst die Sachen nachher in den Gästeschrank einräumen.« Die Kaufquittung legte sie in eine Keramikschachtel, die auf dem schwarzen Sideboard stand.

»Danke, Miss Jessica«, flüsterte Angela.

Jessica schüttelte den Kopf. »Danke nicht mir, danke dem, der die Sachen bezahlt.«

»Wer ist das?«

Jessica zuckte mit den Schultern. »Was weiß ich? Das Arbeitsamt, die Versicherung oder dein Onkel?!«

Dann aßen sie Pizza und tranken dazu Orangensaft.

Angela wirkte unsicher und versteckte sich hinter ihrem Orangensaftbecher. »Darf ich meine neuen Sachen zu Onkel David nach Arizona mitnehmen?«

»Natürlich! Denkst du, ich werde sie anziehen?«, fragte Jessica streng, worauf die Kleine zaghaft den Kopf schüttelte.

Nach dem Essen gingen sie zusammen ins Gästezimmer. Angela schaute in den hellen Raum mit weißen Wänden, weißer Kommode, weißem Kleiderschrank, Bett und blauen Vorhängen und blauem Bettvorleger.

Jessica zeigte zur Tür an der hinteren Wand. »Da hinten ist ein Gästebad mit Dusche.«

Das Fenster gewährte einen Ausblick über die Stadt, über der zu diesem Zeitpunkt die Abenddämmerung hereinbrach.

»Mach dich frisch und zieh dir gescheite Sachen an«, befahl Jessica und verließ mit großen Schritten den Raum.

Angela gehorchte und zog sich um. Später kam sie ins Wohnzimmer, wo Jessica vorm Fernseher saß. »Hier ist die Fernbedienung und in einer Stunde gehst du ins Bett. Ist das klar?«

»Gehen Sie weg, Miss Jessica?«, stammelte das Mädchen ängstlich und ein wenig verstört.

»Ja, ich werde einen Abendspaziergang machen und komme vielleicht erst spät zurück. Also brauchst du nicht auf mich zu warten.«

»Ich will aber nicht alleine sein«, jammerte die Kleine auf einmal.

»Was soll das?«, wurde Jessica laut. »Soll ich vielleicht auf mein gewohntes Leben verzichten, nur weil du mir an der Backe klebst?«

Plötzlich zuckten Angelas Mundwinkel und Sekunden danach fing sie an, laut zu weinen. Jessica schaute sie entsetzt an. »Du weißt doch, was ich dir gesagt habe? Herumschreien in meiner Wohnung ist verboten. Dazu gehört auch das Weinen.«

Trotzdem weinte Angela weiter und konnte sich nicht beruhigen. Auf einmal klammerte sich das Mädchen an Jessica und kletterte auf ihren Schoß. Irritiert wollte Jessica sie wegnehmen und legte dazu die Arme um ihre Schulter. Plötzlich aber war die Kleine still und fühlte sich offenbar geborgen.

»Du hast gewonnen, ich bleibe hier«, gab sich Jessica geschlagen und tätschelte ihr den Rücken.

Sie verharrten einige Minuten, bis sich Angela neben Jessica setzte und sich die Tränen aus dem Gesicht wischte. »Werden Sie mich jetzt rauswerfen, weil ich geweint habe, Miss Jessica?«, fragte sie verängstigt.

Jessica machte ein ernstes Gesicht. »Ich mache eine Ausnahme, weil heute dein erster Tag ist. Du kannst mich übrigens einfach nur Jessica nennen und mich mit "Du" ansprechen.«

»Danke, Jessica«, erwiderte das Mädchen und fing an zu lächeln.

Gemeinsam sahen sie sich noch die Abendnachrichten an und danach ging Angela ins Gästezimmer und legte sich ins Bett.

Jessica setzte sich auf die Terrasse, wo sie den Ausblick über die beleuchtete Stadt mit einem Glas Rotwein genoss. Ein negatives Gefühl machte sich in ihr breit. Es war das Gefühl, alles verlieren zu können, was sie in den letzten 5 Jahren erreicht hatte. 

Jessica, die einstige Bauerstochter zog mit 18 von Zuhause aus, lebte damals in einem Wohnwagen und machte eine Ausbildung zur Sekretärin bei einem Zeitungsverlag. Später arbeitete sie sich hoch zur Chefsekretärin und verdiente genug Geld, um sich nur das Beste leisten zu können. Sie zog in das Penthouse, kaufte sich Markenklamotten, bestellte ihr Essen immer vom Italiener oder Chinesen und leistete sich sogar eine Putzfrau. 

Sie verdrängte den Gedanken, eines Tages wieder in diesen Wohnwagen ziehen zu müssen, falls ihre Ersparnisse aufgebraucht sind, bevor sie eine neue Anstellung gefunden hat. Sie wusste nicht einmal, ob dieser Wohnwagen überhaupt noch neben diesem Schrottplatz stand, oder bereits der Schrottpresse zugeführt wurde, für die er damals vorgesehen war.

Niemals mehr wollte sie so leben. Niemals wollte sie auf den Bauernhof ihrer Eltern zurück, wo alles nach Kuhmist roch und sie harte Feldarbeiten verrichten musste, wodurch damals ihre Hände mit Schwielen übersät waren. Sie konnte und wollte sich mit diesen Bauern nicht identifizieren. Ihrer Meinung nach war sie ein völlig anderer Mensch geworden, eine Luxusfrau mit Klasse und Niveau und wollte mit ihrer Vergangenheit absolut nichts mehr zu tun haben.

Sie holte ihren Laptop auf die Terrasse und suchte im Internet nach einer Festanstellung als Sekretärin. Vergeblich. Zwei Stunden danach legte sie sich müde vom stressigen Tag, den ihr diese unfreiwillige Mutterrolle beschert hatte ins Bett.

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Kapitel 2 - Der Tag mit Angela

Jessica wurde von einem herrlichen Kaffeeduft geweckt. »Was zum Teufel …?«

Im Nachthemd eilte sie zur Küche und sah, dass Angela das Frühstück und den Kaffee vorbereitet hatte.

Lächelnd stand die Kleine an der Anrichte. »Guten Morgen, Jessica«, grüßte sie singend und quietsch-fidel.

»Was machst du da? Willst du meine Wohnung abfackeln?«, fauchte Jessica.

»Nein. Ich habe nur das Frühstück vorbereitet, wie ich es auch bei Oma immer getan habe«, erklärte das Mädchen.

»Kannst du das überhaupt und hast das schon einmal gemacht?«, vergewisserte sich Jessica.

Angela nickte. »Ja, das habe ich schon sehr oft gemacht.«

»In dem Fall will ich mal nichts gesagt haben«, nahm sie ihre Kritik zurück. »Ich bin gleich da.«

Sie verschwand ins Badezimmer und kam kurze Zeit später mit Pferdeschwanz, im schwarzen Rock, weißer Bluse, Seidentrumpfhosen und hochhackigen Schuhen in die Küche.

»Du hast vorhin so anders ausgesehen?«, wunderte sich das Mädchen und schaute in Jessicas geschminktes Gesicht mit dem Make-up, getuschten Wimpern, blauen Lidschatten und den roten Lippen.

Jessica und rückte ihre golden umrahmte Brille zurecht. »Das ist eben der Vorteil von Schminke. Wenn du mal groß bist, wirst du auch davon profitieren.«

»Vorhin sahst du aber viel jünger aus«, bemerkte Angela.

»So ein Unsinn«, fauchte Jessica.

Sie trank einen Schluck Kaffee und war überrascht. Der Kaffee war tatsächlich gut zubereitet. Er war weder zu stark noch zu schwach und selbst das Rührei war ihr hervorragend gelungen. 

»Danke für das Frühstück, du bist ein kleines Naturtalent«, lobte Jessica, worauf Angela kicherte und sich hinter ihrem Milchglas versteckte. »Du wirst gewiss einmal ein gutes Hausmädchen werden.«

»Ich will aber Pilotin werden«, wehrte sich Angela. »Bist du eigentlich eine Pilotin?«

»Ich? Nein, ich bin Chefsekretärin«, sagte Jessica stolz.

Angela musterte Jessica erneut. »Vielleicht will ich auch lieber Chefsekretärin werden.«

Jessica fühlte sich sehr geehrt, anscheinend ein Vorbild für dieses Mädchen zu sein. Ihrer Ansicht nach benötigte das Kind dringend ein Vorbild, nachdem es aus solch einfachen Verhältnissen stammte.

Auf einmal hörten sie, wie sich die Haustür öffnete. »Guten Morgen, Miss Bening«, rief eine Frauenstimme.

»Das ist die Putzfrau«, flüsterte Jessica und rief: »Guten Morgen, Misses Flint.«

Kurz darauf erschien eine kleine, ältere Dame an der Küchentür und lächelte Angela an. »Wen haben wir denn da?«

»Das ist Angela Winstone«, stellte Jessica ihren kleinen Gast vor. »Ich kümmere mich eine Weile um sie, bis ihr Onkel sie nach Arizona holt.«

»Hallo, Angela, ich bin …«

»Die Putzfrau«, unterbrach Jessica unhöflich. »Ziehen Sie auch im Gästezimmer das Bett ab und wechseln Sie auch die Handtücher im Gästebad, Misses Flint.«

Das Lächeln aus Misses Flints Gesicht schwand. »Jawohl, M’am«, antwortete sie, verließ die Küche und fing sofort mit ihrer Arbeit an.

Angela schaute Jessica verdutzt an. »Was?«, erhob Jessica die Stimme, worauf die Kleine schnell ihren Blick auf den Teller mit dem Rührei senkte.

Nach dem Frühstück setzte sich Jessica mit Angela auf die Terrasse. 

»Wo kommst du eigentlich her?«, wollte das Mädchen wissen.