Liebesroman

6. Liebe durch Zufall

PDF eBook Liebesroman Liebe durch Zufall
Liebesroman eBook

Beschreibung:

Die alleinerziehende Kathrin Smith und ihre 9-jährige Tochter Lara leben in Kanada und haben ständig Geldnot. Aus beruflichen Gründen müssen sie nach Millet umziehen, wo sie früher schon einmal gewohnt hatten.

 

Doch Millet ist Tochter Lara in so schlechter Erinnerung, dass sie am Zugbahnhof wegläuft und sich in einen Zug flüchtet, der sie in ein Skigebiet bringt. Hungernd und frierend kämpft sich das Mädchen mit letzter Kraft durch den Schnee und findet Schutz in einem Generatorschuppen.

 

Dabei ahnt sie noch nicht, dass sie bereits zu diesem Zeitpunkt den Beginn eines unglaublichen Abenteuers für sich und ihre Mutter eingeleitet hat, welches ihr Leben für immer verändern wird.



Leseprobe

Prolog

Die 9-jährige Lara saß am Küchentisch und weinte fürchterlich. Ihre Mutter Kathrin Smith saß gegenüber und hielt ihrer Tochter die Hand. »Sei doch vernünftig, Lara!«

»Ich muss immer vernünftig sein, Mom. Du weißt doch ganz genau, wie ungern ich in Millet gelebt habe«, jammerte Lara vorwurfsvoll. »Es war ein Albtraum für mich.«

»Ja, du hattest viele Probleme mit den anderen Kindern dort«, bestätigte Kathrin und strich Lara die blonden Strähnen aus dem Gesicht.

»Das sind alles nur Hinterwäldler. Ich will da nicht mehr hin«, schluchzte Lara. »Niemals!«

»Leider können wir uns das nicht aussuchen, Herzchen. Heutzutage muss man nehmen, was kommt, und man muss flexibel sein. Außerdem wird es auf dem Arbeitsmarkt nicht leichter werden«, erklärte Kathrin ihrer Tochter.

»Warum können wir nicht einfach hierbleiben, Mom?«

»Ich sagte dir doch bereits, dass die Kneipe, in der ich gearbeitet habe, geschlossen hat. Hier gibt es keinen Job mehr für mich.«

»Warum kannst du nicht, wie viele andere Mütter zu Hause bleiben oder nur halbtags arbeiten und dir endlich einen Mann suchen, der uns unterstützt?«

»Als wäre das so einfach?!", brummte Kathrin. »Das verstehst du nicht, das hat auch was mit Liebe zu tun.«

»Wie willst du den Richtigen finden, wenn du immer nur arbeitest? Ich wünsche mir endlich einen Vater«, klagte Lara und schaute ihre Mutter fordernd an.

Auf Kathrins Miene spiegelte sich Ironie. »Ich sage dir Bescheid, sobald sich einer bei mir meldet! Und jetzt packen wir unsere Sachen zusammen und gehen los! Der Zug wartet nicht auf uns.«

Kathrin ging mit ihrer Tochter in das kleine Schlafzimmer, das an der Wohnküche angrenzte. Es war eine sehr kleine Wohnung. Die Wände schienen dünn wie Zeitungspapier zu sein, denn aus den Nachbarwohnungen von allen Seiten konnte man Gemurmel und Geräusche hören. Widerwillig versuchte Lara, den Kleiderschrank zu öffnen.

»Lass mich das machen!«, bat Kathrin und stemmte sich mit dem Fuß dagegen, um die klemmende Schiebetür des Einbauschrankes zu öffnen.

Etwa zehn Minuten danach hatten sie ihre wenige Sachen in die verschlissenen Koffer gepackt. Weil die Schnallen an Laras Koffer beschädigt waren, schnürten sie ihn mit einem Gürtel zusammen.

 »Wir können froh sein, diese Koffer zu haben«, bemerkte Kathrin, als sie Laras traurige Miene bemerkte. »Sie sind zwar alt, aber sie erfüllen ihren Zweck.«

Lara nickte. »Mom, ich habe jetzt schon richtig große Angst, wieder in Millet zu wohnen. Es wird so werden, wie es früher war. Du bist den ganzen Tag bei der Arbeit. Ich sitze jeden Tag nach der Schule alleine in der Wohnung, weil ich Angst habe, von den anderen Kindern geärgert zu werden.«

Laras Befürchtungen waren nicht unbegründet, denn so war es tatsächlich damals in Millet. Weil die Smiths wenig Geld hatten, wurden sie wie Aussätzige behandelt. Manche Menschen hatten Mitleid und schenkten ihnen aufgetragene Kleidung, andere versuchten, sie zu meiden und andere ärgerten sie und machten sich über ihre Armut lustig. Kinder riefen ihnen hinterher, sie würden stinken, was natürlich nicht stimmte. Sie sahen zwar ungepflegt aus, aber sie stanken nicht.

»Du machst es mir nur noch schwerer mit deinen negativen Bemerkungen!«, rügte Kathrin ihre Tochter. »Dort geht es uns besser. In der neuen Wohnung haben wir sogar ein Wohnzimmer.«

»Na toll! Was sollen wir mit einem Wohnzimmer? Wir haben doch sowieso keinen Fernseher?!«, erwiderte Lara abfällig.

»Schluss jetzt, Fräulein!« Kathrin war am Ende ihrer Kräfte und fing an zu weinen. »Immer hast du nur zu nörgeln! Meinst du, mir macht es Spaß, immer nur zu schuften und in den verwahrlosten Absteigen zu hausen?«

»Mom, es tut mir leid. Ich habe es nicht so gemeint«, entschuldigte sich Lara und nahm ihre Mutter in die Arme.

Bald darauf saßen Kathrin und ihre Tochter mit ihren Koffern am Zugbahnhof und warteten auf den Zug. Kathrin trug einen schmutzigen, roten Pullover, beige Hosen mit Schmutzflecken und durchlöcherte Turnschuhe. Ihr braun gelocktes, langes Haar sah ungepflegt aus. Lara trug ein dickes grünes Wollkleid, eine rote Strumpfhose mit Löchern in den Knien und rote, abgestoßene, löchrige Lackschuhe. Ihr schulterlanges, blond gelocktes Haar sah ebenfalls ungepflegt aus. Vorbeilaufende Passanten musterten die beiden Damen mit ihren vergammelten Koffern und warfen ihnen mitleidige oder verächtliche Blicke zu.

 

 

 

Unterdessen an einem anderen Ort:

Jonny Parker saß voller Vorfreude im Hubschrauber und sah nach unten in den schneebedeckten Wald. Wie sehr hatte er sich diesen Urlaub verdient. Jonny war etwa 185 cm groß, muskulös, hatte dunkelbraunes Haar, braune Augen und war durchaus ein sehr attraktiver Mann. Keiner, der ihn sah, würde glauben, dass er noch immer ledig war. Das war aber so und es lag daran, weil er nie die Zeit für eine richtige Beziehung fand. Als Besitzer einer Holzverarbeitungsfirma hatte er ständig zu tun, was seine bisherigen Beziehungsversuche scheitern ließ, obwohl er reich war. Ein Mal im Jahr gönnte er sich diesen Urlaub in den Bergen in seiner abgelegenen Hütte, um frische Luft zu schnappen, auszuspannen und Ski zu fahren.

Auf einer schneebedeckten Waldlichtung schwebte der Hubschrauber nieder. Jonny stieg aus, nahm sein Gepäck und kämpfte sich durch den Schneesturm, den die Rotoren verursachten. Der Helikopter hob ab und verschwand über die Berge. Jonny stapfte an den Waldrand zu einer Blockhütte. Er brachte seine Koffer samt Skiausrüstung hinein und stellte sie im Flur ab. Zuerst öffnete er alle Fenster, ging nach draußen und holte Holz, das unter dem Vordach der Hütte aufgestapelt war. Danach heizte er schließlich die Öfen ein, schloss die Fenster und räumte seine Sachen in die Schränke ein. Als Verpflegung hatte er jede Menge Konserven, Nudeln und Reis mitgebracht. Falls er noch etwas benötigen sollte, war der nächste Ort nur drei Meilen entfernt und schnell mit den Skiern oder dem Schneemobil erreichbar.

Zuerst kochte sich Jonny einen Kaffee, ließ sich im Wohnzimmer auf der braunen Ledercouch nieder und vertiefte sich in ein Buch. Nachher, so hatte er geplant, wollte er noch mit den Skiern die Berge hinunterfahren und anschließend den Fußmarsch zum Blockhaus zurück genießen.

 

 

 

Kathrin und Lara saßen am Zugbahnhof auf der Bank und starrten auf die große Uhr. Es waren nur noch zwanzig Minuten, bis der Zug ankommen sollte.

Lara wurde unruhig. »Mom, ich muss mal!«

Kathrin hob genervt die Augenbrauen. »Hättest du das nicht zu Hause noch machen können? Okay! Beeil dich bitte!«

Lara eilte die Treppen hinab in Richtung Bahnhofstoilette. »Ich gehe nicht zurück nach Millet!«, brummte sie und war in diesem Moment zu allem entschlossen. »Niemals!«

Hastig durchquerte sie die Unterführung und rannte auf der anderen Seite die Stufen hinauf. Sie mischte sich unter die Fahrgäste, die gerade in einen Zug einstiegen, und konnte unbemerkt mit einsteigen. Nachdem sie einige Male im Gang hin und her gelaufen war, setzte sie sich in ein leeres Zugabteil. Wenig später fuhr der Zug nach Canmore los, was genau in entgegengesetzter Richtung von Millet lag.

Nach etwa zehn Minuten blickte Kathrin beunruhigt auf die Uhr. »Wo bleibt sie denn so lange?«

Sie begab sich nach unten zu den Toiletten, um nach Lara zu suchen. Dort entdeckte sie eine verschlossene Toilettenkabine und rüttelte an der Tür. »Jetzt mach schon, Lara. Der Zug kommt gleich!«

 »Entschuldigung?«, drang eine Frauenstimme aus der Kabine.

Kathrin erschrak und öffnete fahrig alle anderen Kabinentüren. »Oh mein Gott, Lara!«, rief sie entsetzt. Sie rannte durch die Unterführung, zu den anderen Abfahrtsstationen und blickte hilflos über die zwölf verschiedenen Haltestellen. »Lara, wo bist du?«