Liebesroman

3. Zuckersüße Träume auf Hawaii

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Liebesroman eBook

Beschreibung:

Evelyn Nielson lebt in ihrer Einzimmerwohnung am Rande der kanadischen Stadt Calgary und betreibt ihren eigenen Andenkenladen. Seit Jahren hatte sie vergeblich versucht, Kontakt zu ihrem Vater aufzunehmen, der ihre Mutter während der Schwangerschaft verlassen hatte und auf der hawaiianischen Insel Maui lebt. Ein Jahr nachdem Evelyn die Kontaktierung ihres Vater aufgegeben hatte, flattert ein Dokument ins Haus, das besagt, dass er ihr sein Haus auf Maui überschrieben hat.

Evelyn beschließt ihre gesamten Ersparnisse zu opfern, um nach Hawaii zu fliegen, um dort einen Immobilienmakler zu beauftragen, das Haus zu verkaufen. Dabei ahnt sie noch nicht, was es mit dem angeblichen Haus auf sich hat und erlebt nach ihrer Ankunft auf der Insel Maui eine erschreckende Überraschung, die ihr gehörig einen Strich durch die Rechnung macht.

Daten:

Format: eBook

Seiten: 120

Auflage: 2

Datum:03.08.2014

Autorin: Heike Noll

Schauplatz: Hawaii

 

Shops:

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Preis:

2,99 €



Leseprobe

Das Dokument

Ungläubig schaute Evelyn auf das Schenkungsdokument ihres Vaters in ihren Händen. Sie warf einen Blick aus dem Fenster des Taxis, das sie bei Dunkelheit über engen Straßen der hawaiianischen Insel Maui chauffierte.

Jahrelang hatte sie versucht mit diesem Mann, der ihre Mutter bereits während der Schwangerschaft verlassen hatte, Kontakt aufzunehmen. Irgendwann gab sie es auf. Jetzt, nach zwei Jahren Funkstille flatterte ein Dokument ins Haus, welches besagte, dass er ihr sein Anwesen überschrieben hatte. Evelyn fühlte weder Trauer noch Schmerz. Sie hatte mit ihrem Vater weder gesprochen noch hatte sie ihn jemals gesehen. Sie wusste nur, dass er sein Leben lang auf Maui gelebt hatte. Die Mutter schwieg sich immer über ihn aus, was oft zu Streitigkeiten geführt hatte. Steven, ihr Stiefvater kannte ihn anscheinend auch, hatte Evelyn einmal mitbekommen. 

Sie fragte sich, warum er ausgerechnet ihr sein Anwesen überlassen hatte, wo er doch jeglichen Kontakt gemieden hatte?!

Die Reise nach Hawaii war für Evelyn die Gelegenheit, dem eisigen Kanada wenige Tage zu entfliehen, auch wenn es nur für kurze Zeit sein sollte. Nämlich solange bis sie einen Immobilienmakler gefunden hat, der dieses Anwesen, was auch immer das sein sollte, verkaufen kann.

Die 29-Jährige fühlte sich unsicher, denn es war das erste Mal in ihrem Leben, wo sie Kanada verlassen hatte. Den Unterschied zu Kanada bemerkte sie schnell, denn als sie am Flughafen aus dem Terminal kam, musste sie feststellen, wie warm dieses Klima hier selbst in der Nacht war.

Nach einer holprigen Fahrt über unbefestigte Straßen blieb das Taxi stehen, was Evelyn aus den Gedanken riss. „Warum halten Sie an?“ 

„Wir sind am Ziel angekommen“, teilte der Taxifahrer mit.

Misstrauisch versuchte sie, im Dunkeln etwas zu erkennen. „Typisch. Genauso hatte ich meinen Dad eingeschätzt. Ich dachte mir schon, dass er fernab der Stadt inmitten im Nirgendwo lebte“, brummelte sie.

Ihre grünen Augen unter ihrem roten Pony verengten sich, mit dem Ärmel der weißen Bluse fuhr sie sich über die feuchte Stirn. „Ich denke, es wäre besser, wenn Sie mich in ein Hotel fahren könnten. Ich werde morgen früh wenn es hell ist, wiederkommen.“ Ihr Tonfall klang wie ein Befehl.

„Tut mir leid, M’am“, entschuldigte sich der Fahrer. „Um diese Zeit werden Sie auf der ganzen Insel kein Hotel mehr bekommen. Ich helfe Ihnen, Ihr Gepäck auf die Veranda zu bringen und kann die Scheinwerfer auf die Haustür richten, bis sie drinnen sind. Mehr kann ich nicht für Sie tun.“

Evelyn überkam ein ungutes Gefühl. Wenn etwas passieren würde, wäre nicht einmal ihre Mutter oder ihr Stiefvater erreichbar. Denn seit Evelyn zwei Jahre zuvor den Andenkenladen gemietet und in ihre Einzimmerwohnung am Stadtrand von Calgary gezogen war, gingen sie einfach nicht mehr ans Telefon, was dem schlechten Verhältnis wohl die Krone aufgesetzt hatte.

„Also gut“, willigte sie gezwungenermaßen ein und stieg aus dem Wagen.

Der Taxifahrer nahm ihre Reisetasche aus dem Kofferraum und folgte ihr zur Haustür.

„Na, prima. Eine Baracke“, bemerkte sie abwertend, als sie feststellte, dass es sich um ein Holzhaus handelte.

Der Hausschlüssel, der sich in dem Briefumschlag mit dem Dokument befand, passte ins Schloss. Evelyn öffnete die Tür. Suchend wanderte ihre Hand über die Wand nach dem Lichtschalter. Dann knipste sie das Flurlicht an. 

Der Taxifahrer stellte die Tasche auf der Veranda ab und kassierte das Geld. „Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt auf Casa del libre“, verabschiedete er sich.

„Casa del libre?“

„Haus der Freiheit“, übersetzte der Fahrer.

„Danke“, erwiderte Evelyn, blieb an der Haustür stehen und beobachtete, wie das Taxi über den schmalen Feldweg in der Dunkelheit verschwand. Sie ging hinein, schloss die Tür und schob den Riegel vor.

Der erste Eindruck überraschte sie positiv. Von innen sah die Holzhütte aus wie ein richtiges Backsteinhaus. Die Decken und Wände waren mit einer hellen Tapete versehen, braune, glänzende Fliesen zierten den Fußboden. Evelyn stand im Eingangsbereich, von dem auf der rechten Seite eine massive Holztreppe zum oberen Stockwerk führte. Auf beiden Seiten sowie gegenüber befanden sich Türen.

Ihre Schuhe klackten über die Fliesen zur linken Tür, wo sie ein Wohnzimmer mit einer modernen, weißen Ledercouchgarnitur, einem hellen Marmortisch und einem Bücherregal voller Romane und Sachbücher vorfand.

Sie ging durch den Eingangsbereich zur rechten Tür, wo sich ein weiß-blau gefliestes Badezimmer mit Dusche, WC und Waschbecken befand. Auf den weiß lackierten Ablageregalen lagen passend dazu weiße und blaue Handtücher. Evelyn bemerkte, dass es geschmackvoll eingerichtet war. Ihrer Meinung nach für einen Männer-Singlehaushalt viel zu hübsch. Wieder schritt sie durch den Eingangsbereich zur gegenüberliegenden Tür neben dem Treppenaufgang. Mit großen Augen starrte sie in die Küche, die mit einer modernen, zitronengelben Einbauküche, einem Tisch und Stühlen ausgestattet war. Ihre Nackenhaare stellten sich auf, als sie den Wandkalender sah, auf dem das aktuelle Datum eingestellt war. Ihr Vater war doch tot? Wie konnte der Kalender auf dem aktuellen Stand sein?

Sie vermutete, er hätte den Kalender vielleicht vorgestellt, damit er ihn nicht täglich aktualisieren musste. Nachdem sie die Küche durchquert hatte, kam sie in ein Esszimmer. In der Mitte stand ein riesiger von Stühlen umgebener Tisch. Zwei große Ölgemälde, auf denen rote Mohnblumen zu sehen waren, zierten die Wände.

Evelyn ging zurück in den Eingangsbereich, nahm ihre Reisetasche mit hinauf in die obere Etage, die mit einem roten Samtteppichboden ausgelegt war. Hier fand sie vier Schlafzimmer und ein großes Badezimmer vor. Sie fragte sich, wozu ihr Vater ein solch großes Haus brauchte, wo er doch offensichtlich alleine lebte. Hätte er es sonst ihr überschrieben?

 Es war bereits nach Mitternacht und sie war von der weiten Reise und den imposanten Eindrücken sehr müde geworden. Nachdem sie sich kurz im Badezimmer frisch gemacht hatte, ging sie in eines der Schlafzimmer. Sie schaltete den Deckenventilator ein, um der Hitze zu entfliehen. Die vasenähnliche Nachttischlampe auf der Kommode ließ sie leuchten, als sie sich ins Bett legte. Durch den beruhigend monotonen Summton des Ventilators schlief sie trotz der fremden Umgebung schnell ein.

 

 

Mister Logan Perez

Vom Zwitschern der Vögel wurde Evelyn morgens geweckt. Sie schaltete den Ventilator ab, blieb noch eine Weile im Bett liegen und plante im Gedanken ihre Vorgehensweise für den Tag.

Zuerst musste sie in die zwei Meilen entfernte Stadt, um dort einen Immobilienmakler aufzusuchen. Sie hoffte, dass dieser kein Geld im Voraus verlangte, denn für das Hin- und Rückflugticket hatte sie ihre gesamten Ersparnisse aufgebraucht und hatte gerade einmal 200 Dollar übrig.

Sie wusste nicht einmal, wie sie die nächsten Tage nach ihrer Ankunft in Calgary über die Runden kommen sollte und das, obwohl sie täglich viele Stunden arbeitete. Denn vor zwei Jahren hatte sie sich ihren größten Traum erfüllt und einen Andenkenladen eröffnet. Schon als Kind hatte sie gerne im Kaufladen gespielt und später verdiente sie sich mit einem Limonadenstand ihr Taschengeld. Evelyn musste sich alles Selbst beibringen. Verkauf, Einkauf, Schaufensterdekoration und Marketing. Erst vor einigen Wochen fing der Laden endlich an, richtig zu laufen, und erstmals hatte sie keine roten Zahlen mehr geschrieben.

Evelyn gähnte tief und streckte sich. Überrascht fit stieg sie aus dem Bett und lief barfuß über den roten, samtig weichen Teppichboden zum Fenster. Als sie den schweren, braunen Vorhang zurückzog, war sie die ersten Sekunden von der Sonne geblendet. Überwältigt blickte sie in die bunt blühende Landschaft, die über einen weißen Sandstrand ins türkiesfarbene Meer führte, welches sich weit draußen am Horizont mit dem wolkenlosen, strahlend blauen Himmel traf.

Evelyn spürte den warmen, blumig duftenden Wind, der durch das aufgeklappte Fenster hereinströmte und angenehm durch ihr Nachthemd wehte.

„Das Haus ist Millionen wert“, stammelte sie und vergrub ihre Zehen im moosweichen Teppich.

Erst jetzt nahm sie das auf- und abschwellende Rauschen der Brandung wahr. Sekunden zweifelte sie daran, das Haus zum Verkauf anzubieten, doch schnell holte sie die Realität wieder ein, welche ihre finanzielle Situation offenbarte. Auch wenn es ihr im Herzen schmerzte, sie sah keinen anderen Weg.

Sie zog ihr Nachthemd aus, durchquerte nur in Slips bekleidet den Flur zum gegenüberliegenden Badezimmer. Mit kaltem Wasser wusch sie ihr Gesicht und entdeckte dabei auf dem Fußboden neben dem Waschbecken ein Hemd, Boxershorts, eine Jeans, einen Cowboyhut und ein paar Cowboystiefel. Das hätte ihr doch gestern Nacht auffallen müssen, wenn es da gelegen hätte?

„Das Badezimmer ist besetzt“, ertönte eine tiefe männliche Stimme.

Evelyns Kopf schnellte zur Duschkabine herum, wo sie die Umrisse einer groß gewachsenen Statur erkannte. Gellend schrie sie auf und zog blitzschnell ihr T-Shirt über. In ihrer Panik nahm sie den Haarföhn von der Ablage und richtete ihn in Richtung Dusche.

„Was machen Sie in meinem Haus?“, schrie sie. „Kommen Sie sofort da raus und zeigen Sie sich!“

„Sind Sie sicher?“, fragte die Stimme aus der Kabine.

„Natürlich bin ich sicher. Was ist das für eine Frage?“, quietschte Evelyn aufgeregt.

Die Duschkabine öffnete sich. Ein durchtrainierter Mann, etwa Mitte 30, mit gebräunter Haut lächelte sie an. Seine Brust, Arme, Beine und sein Bauch, waren mit pechschwarzen Härchen bedeckt. Ebenso schwarz wie sein kurzes Kopfhaar und seine buschigen Augenbrauen, was gar nicht zu seinen blauen Augen passte. Sein Gesicht zierte ein Dreitagebart. Seine festen, schmalen Lippen zogen sich schief grinsend zur Seite, als er ihren schockierten Gesichtsausdruck vernahm.

Evelyns Blick glitt über seine muskulöse Brust nach unten zu seiner rasierten, baumelnden Männlichkeit, die er ihr ungeniert präsentierte. Evelyns Herz pochte wild. Schnell bemerkte sie, dass es ein Fehler war, ihn aufzufordern, er solle sich zeigen. Sie nahm den Hut und warf ihn dem Mann zu.

„Danke“, sagte der, und hielt ihn sich vor sein bestes Stück. Nahezu gierig scannten seine strahlend blauen Augen Evelyns Körper.

„Hören Sie auf, mich anzustarren! Also raus mit der Sprache! Wer sind Sie, und was haben Sie in meinem Haus zu suchen?“, stellte Evelyn ihn zur Rede.

Der Mann lächelte, wobei Evelyn seine weißen Zähne bemerkte. „Mein Name ist Logan Perez. Ich arbeite und wohne hier.“

„Sie lügen! Ich habe mir gestern Nacht das ganze Haus angesehen. Wenn Sie hier wohnen würden, hätte ich Sie sehen müssen.“

„Das Pferd hat gefohlt, darum musste ich im Stall übernachten, Evelyn“, erklärte er, wobei er seine Blicke immer wieder über ihre nackten Beine und hoch zu ihren, durch das dünne T-Shirt verdeckten, Busen wanderten. Er sah ihr in die grünen Augen, sah auf ihr langes, rot gelocktes Haar und leckte sich dabei unbewusst die Lippen. 

„Pferd? Hier gibt es ein Pferd?“, wunderte sich Evelyn. „Und woher kennen Sie eigentlich meinen Namen?“

„Sie sind schließlich die Tochter meines Chefs. Was glauben Sie, wer Ihnen das Dokument und den Schlüssel geschickt hat?“

Evelyn schaute ihn kritisch an, worauf er erneut lächelte. „Können Sie aufhören, den Föhn auf mich zu richten. Was haben Sie vor? Mich mit heißer Luft anpusten?“

Logans Erklärung klang plausibel, Evelyn senkte den Föhn.

„Könnten Sie mir bitte ein Handtuch reichen?“, bat Logan.

Evelyn nahm ein Handtuch, trat einen Schritt nach vorne und warf es ihm zu. Mit beiden Händen fing er es in Brusthöhe auf. Der Hut fiel zu Boden. Erbost starrte Evelyn nach unten und sah, wie er auf sie reagiert hatte.

Logan hob die Augenbrauen und zog die Mundwinkel schief. „Was erwarten Sie? Ich arbeite täglich bis zu 18 Stunden und manchmal sogar die ganze Nacht hindurch. Eine solch bildhübsche Lady wie Sie sieht man nicht alle Tage?! Sie hätten sich den Anblick ersparen können, wenn Sie Ihren Besuch einige Tage vorher angekündigt hätten.“

Evelyn wurde heiß und kalt zugleich. Sie war empört und gleichzeitig fühlte sie sich ein wenig geschmeichelt, eine solche Wirkung auf diesen Mann auszuüben.

Langsam ließ er das Handtuch nach unten gleiten und verdeckte sein bestes Stück.

„Wer sagt mir, dass ich Ihnen vertrauen kann und Sie mich nicht doch anlügen? Vielleicht sind Sie ja ein Obdachloser, der sich in meinem Haus niedergelassen hat?“, äußerte sich Evelyn kritisch.

„Gehen Sie einfach nach unten und fragen Sie Sophia“, empfahl Logan.

„Wer ist Sophia? Wohnt sonst jemand im Haus, von dem ich wissen sollte?“

„Sophia ist die Haushälterin. Sie kommt jeden Morgen und richtet das Frühstück für uns her. Danach reinigt sie das Haus und kümmert sich um meine abendliche Verpflegung, wenn wir zurückkommen.“

„Wer ist wir?“

„Wir sind die Farmer, die diese Ranch pflegen.“

„Es gibt hier mehr von Ihrer Sorte?“, platzte es aus Evelyn heraus.

„Die Jungs sind von der Stadt und kommen jeden Morgen zur Arbeit. Sie richten die Pferde her und bringen sie zum Strand. Keine Angst. Von den Pferdepflegern lebe nur ich hier im Haus“, klärte Logan auf.

„Wozu gibt es hier so viele Angestellte?“, wunderte sich Evelyn.

„Es sind immerhin über 50 Pferde, die gepflegt werden müssen. Das kann man alleine nicht bewältigen. Wir sind 5 Pfleger mit jeweils 10 Pferden. Dazu kommt noch Sophia, die Haushälterin. Übrigens können Sie hier vom Badefenster aus, auf die Stallungen und Pferdekoppeln schauen.“

Evelyn ging zum Fenster und schaute hinunter, wo sie fünf Pferdeställe mit jeweils einer Pferdekoppel entdeckte.

Vier Männer, die mit ihren breitkrempigen Hüten und Bluejeans wie Cowboys aussahen, waren bei der Arbeit, striegelten und säumten gerade die prächtigen schwarzen, braunen und weißen Pferde. Unterdessen warf Logan das Handtuch beiseite und stieg aus der Dusche. 

Evelyn drehte sich wieder um. „Binden Sie sich gefälligst das Handtuch um?!“, sagte sie vorwurfsvoll, während ihr Blick unwillkürlich immer wieder auf seine leicht erregte, rasierte Männlichkeit fiel.

„Ich ziehe mich doch sowieso jetzt an“, widersprach er, worauf sich Evelyn wieder zum Fenster drehte.

Über Logans Verhalten konnte Evelyn nur den Kopf schütteln. Er kam ihr vor, wie ein wildes Tier, das gezähmt werden musste. Aufgrund der Tatsache, dass er die meiste Zeit hier draußen verbrachte, konnte sie ihm seine fehlenden Manieren Frauen gegenüber ein Stück weit verzeihen. Evelyn war überfordert und wusste nicht, wie sie die neue Situation einschätzen sollte.

„Ich hatte angenommen, das wäre ein verlassenes Haus. Das bringt meine Pläne gehörig durcheinander“, dachte sie laut.

Logan schlüpfte in seine Boxershorts. „Darf ich fragen, welche Pläne Sie hatten?“

„Das geht Sie nichts an“, reagierte Evelyn abweisend.

„Oh doch, Lady! Schließlich hängt mein Arbeitsplatz von Ihren Plänen ab“, antwortete er mit finsterer Miene.

„Ich wollte das Haus verkaufen“, gab Evelyn zu.

Logans Augen wurden schmal. „Das können Sie nicht tun! Das wäre nicht im Sinne Ihres Vaters. Wo sollte ich dann meine Pferde unterstellen?“

„Ihre Pferde?“, wunderte sich Evelyn.

„Ihr Vater hat die Pferde mir überschrieben.“

„Wenn das so ist, könnte ich Sie einfach vom Grundstück verbannen?!“, versuchte Evelyn, Macht zu demonstrieren.

„Wenn Sie über genug Geld verfügen, damit Sie das alles in Schuss halten können, warum nicht?“

Immer wieder wanderte ihr Blick zu seiner behaarten Brust. Evelyn räusperte sich, um einen klaren Gedanken zu fassen. „Was bekomme ich eigentlich für die Unterstellung Ihre Pferde?“

„Für mich ist das ebenfalls neu. Früher gehörte die gesamte Ranch Ihrem Vater. Ich verstehe es auch nicht, wie er seinen Besitz unter uns beiden aufteilen konnte.“

Er kratzte sich nachdenklich an der Stirn. „Für die Verpflegung der Tiere nutze ich Ihre Ländereien, die ich allerdings selbst bewirtschafte. Für die Unterbringung nutze ich die Stallungen. Ich wohne außerdem hier im Haus“, zählte Logan auf. „Wie wäre es mit 80 Prozent der Nettoeinnahmen?“

„Welche Nettoeinnahmen?“, interessierte sich Evelyn.

„Ich gebe Reitunterricht, außerdem bieten wir Reittouren an Touristen an. Zusätzlich gibt es 8 Gastpferde, die hier untergestellt und verpflegt werden, wofür die Besitzer bezahlen“, klärte Logan auf.

„Ich muss mir erst alles ansehen. Geben Sie mir Bedenkzeit!“, antwortete Evelyn und verließ das Badezimmer.