Liebesroman

8. Plötzlich Liebe

PDF eBook Liebesroman Plötzlich Liebe
Liebesroman eBook

Beschreibung:

Lora will ihren aufdringlichen Arbeitskollegen überreden sie zu einem Urlaub in ein Haus am See zu begleiten, weil sie für ihn zusammen mit ihrer Kollegin ein Blind Date organisiert hat. 

Ronald erklärt sich einverstanden und es scheint hervorragend zu funktionieren, denn er versteht sich auf Anhieb sehr gut mit der netten Joanne. Doch das Schicksal spielt ihr völlig unerwartet einen üblen Streich, denn plötzlich sieht sie in ihm einen attraktiven Mann, der ihrer Vorstellung eines Traummannes entspricht.

 

 

Daten:

Format: eBook

Seiten: 100

Auflage: 2

Datum: 17.11.2018

Autorin: Heike Noll

Schauplatz: Kanada

 

Shops:

Amazon

Neobooks

Weltbild

Hugendubel

Google Play

 

Preis:

2,99 €



Leseprobe

Epilog - Ein ganz normaler Tag

Lora saß an ihrem Schreibtisch und blickte auf die große, silberne Wanduhr. »Gleich ist Pause, Susan. Gehst du raus in den Park oder in die Kantine?«, fragte sie ihre Kollegin.

»Bei diesem wunderschönen sonnigen Wetter könnten wir unsere Pause im Park verbringen«, schlug Susan vor. »Vorher muss ich aber noch einen Kostenvoranschlag einer Haftpflichtversicherung fertigmachen und faxen. Der Kunde wartet bereits seit heute Morgen darauf. Leider war ich vorher nicht dazu gekommen.«

Lora winkte beschwichtigend ab. »Das ist kein Problem, Susan. Ich arbeite eben auch so lange weiter, bis zu fertig bist. Wenn du so weit bist, werden wir gemeinsam in die Pause gehen.«

Klackend sprangen die Zeiger der Uhr auf zwölf. Alle Büroangestellten standen auf und liefen in Richtung Ausgang. Nur Susan und Lora blieben an ihren Schreibtischen sitzen und arbeiteten weiter. Auf einmal öffnete sich die Zwischentür zum danebenliegenden Büro.

»Er kommt!«, flüsterte Susan Lora zu.

 Lora wusste genau, wen sie damit meinte. Kaum hatte Susan ausgesprochen, spürte sie einen warmen Atem in ihrem Genick. »Na? Machst du heute keine Pause, mein blonder Engel?«, flüsterte eine tiefe und samtweiche Männerstimme.

Lora drehte sich um. »Hau ab, Ronald«, rief sie gespielt verärgert.

Der Mann mit den dunklen langen Haaren und dem zerzausten Vollbart zwinkerte ihr zu und verschwand durch die Tür.

»Da kannst du nichts dagegen machen, Lora«, lachte Susan amüsiert. »Er steht eben auf dich.«

»Ich kann ihn zwar gut leiden, aber als Freund … niemals!«, stellte Lora klar. »Ich stehe nicht auf Robinson Crusoe oder König Zauselbart.«

»Dafür, dass er erst seit 3 Monaten bei uns arbeitet, seid ihr euch schon verdammt nahegekommen«, bemerkte Susan. »Du verstehst dich anscheinend blendend mit ihm.«

»Das stimmt allerdings«, gab Lora zu. »Vielleicht verstehe ich mich nur so gut mit ihm, weil er so unattraktiv ist?! Bei gut aussehenden Männern hatte ich bislang keine glückliche Hand.«

»Findest du ihn tatsächlich unattraktiv?«, interessierte sich Susan. »Oder magst du nur seinen Bart und seine langen Haare nicht?«

»Sein Bart, seine Haare, seine Aufdringlichkeit, einfach alles an ihm ist abstoßend«, lästerte Lora mit angewiderter Miene.

»Obwohl er abstoßend ist, findest du ihn sympathisch?«, hakte Susan nach. »Ist das nicht ein Widerspruch in sich?«

Lora zuckte mit den Schultern. »Das ist keineswegs ein Widerspruch. Er ist in der Tat ein netter Mensch, obwohl er so wild aussieht.«

Susan schob das Dokument ins Faxgerät. »So, das war's, ich bin fertig. Lass uns Pause machen.«

Die zwei Frauen schnappten ihre Taschen und eilten nach draußen auf die belebte Straße von Edmonton. Sie überquerten den Fußgängerüberweg, liefen hinüber in den Stadtpark und suchten sich ein bequemes, schattiges Plätzchen auf einer Parkbank. Von da aus konnten sie die Leute beobachten, die sich auf den Wiesen sonnten, ein Buch lasen oder einfach nur schliefen und die wärmenden Sonnenstrahlen genossen.

»Mein Mann und ich, wir waren am Wochenende in unserer Hütte, von der ich dir erzählt hatte«, verkündete Susan freudestrahlend.

»Wahnsinn! Erzähl mir mehr. Wie ist es dort?«, interessierte sich Lora.

Susan verzog das Gesicht. »Naja, als mir Onkel Phil das Anwesen übergab, meinte er, es wäre ein schönes Häuschen am See.«

»Und ist es das nicht? Bist du enttäuscht?«, sorgte sich Lora.

Susan grinste breit. »Er hat gelogen! Es ist nicht ein schönes Haus, sondern das schönste Haus am See, das man sich vorstellen kann. Nicht umsonst hat es Onkel Phil jahrelang als Frauenmagnet gedient.«

»Wie bitte?«, glaubte Lora sich verhört zu haben. »Das Haus war ein Frauenmagnet? Du meinst, es hat Frauen angezogen wie ein Magnet?«

Susan lachte. »Ganz richtig. Mein Onkel hat dort immer mit jungen Frauen Partys gefeiert und sich vergnügt. Wir haben es gründlich geputzt und alle kleineren Schäden repariert. Jetzt ist es so gut wie neu.«

Lora nickte respektvoll. »Das ist echt klasse und ich freue mich riesig für euch.«

»Wir müssen nur noch einen Schlauch für die Dunstabzugshaube besorgen und ein Dampfstrahlgerät mitnehmen, um den Bootssteg zu reinigen«, erzählte Susan weiter. »Dieser hatte anscheinend durch das Hochwasser der letzten Regenfälle eine Zeit lang unter Wasser gestanden. Er ist mit Moos und Algen überzogen und ziemlich glitschig.«

»Gratuliere«, beglückwünschte Lora ihre Kollegin. »Wirst du dein Haus in der Stadt verkaufen und dort hinziehen?«

»Ach was. Die Hütte liegt weit draußen in den Wäldern. Stell dir nur mal den langen Weg vor, den ich täglich zur Versicherungsagentur fahren müsste«, erklärte Susan und scherzte: »Ganz zu schweigen von John, der die 86 Kilometer zu Fuß nach Westlock zur Arbeit gehen müsste, weil ich das Auto bräuchte. Nein, das ist zu weit weg, um dauerhaft dort zu wohnen.«

»Klar, das geht natürlich nicht«, sah es Lora ein. »Das ist sehr schade, dass es so abgelegen und weit weg ist.«

»Für einen Urlaub ist es genau das Richtige«, schwärmte Susan. »Man kann sich dort in aller Ruhe entspannen, im See mit dem Boot herumfahren und angeln oder schwimmen gehen. Es ist einfach herrlich dort.« 

»Ich stelle mir das echt klasse vor. Sicher gibt es dort auch schöne Motive zum Malen«, träumte Lora vor sich hin.

»Es wäre ideal für eine gute Hobbyzeichnerin wie dich«, meinte Susan und löffelte ihren Joghurt. »Die Landschaft mit dem See und den Wäldern ist traumhaft schön.«

»Schön.« Lora aß ihren Apfel und blickte einige Male verstohlen zu Susan rüber.

Susan löffelte ihren Joghurt leer. »Du kannst uns ja mal übers Wochenende begleiten. Es wird dir dort sicherlich gefallen.«

»Oh ja, danke«, freute sich Lora. »Ich getraute mich nicht, dich zu fragen, weil ich Angst hatte, es wäre zu aufdringlich. Vielen Dank für die Einladung, das ist echt lieb von dir.«

»Keine Ursache. Ganz so lieb ist das nicht von mir. Schließlich möchte ich dir nur alles zeigen, um damit ein bisschen anzugeben«, scherzte Susan, worauf Lora lachte.

Die beiden Damen spazierten noch ein Stück durch den Park, bevor sie zurück in die Agentur gingen, wo sie sich an ihre Schreibtische setzten. Lora hatte sich gerade hingesetzt, da kamen die Mitarbeiter von der Kantine zurück. Erneut spürte sie den warmen Atem an ihrer Wange. »Hallo, meine Schöne. Gut erholt?«, hauchte Ronald ihr ins Ohr.

Lora reagierte gespielt gereizt und drehte sich schnell mit dem Stuhl um. »Ronald! Eines Tages werde ich dir in den Allerwertesten treten, wenn du mich weiterhin so erschreckst.«

Ronald lächelte und verschwand ins Nebenbüro, wo er seinen Platz unter fünf weiteren Büroarbeitern hatte. Lora sah ihm nach, schüttelte den Kopf und blickte Rat suchend zu Susan rüber, die gerade mit einem Kunden telefonierte.

♥♥♥ 

 

 

Kapitel 1 - Ein genialer Plan

Susan legte nach dem Telefonat den Hörer auf und lächelte zu Lora hinüber. »Hat er dich schon wieder erschreckt? Er kann es einfach nicht lassen, was?«

»Ja, das ist echt nervend«, klagte Lora, wobei sich aber Belustigung in ihrer Miene spiegelte. Oft fand sie es amüsant aber manchmal auch zu penetrant. Sie wusste Ronalds Absichten überhaupt nicht einzuschätzen. Machte er nur Spaß, oder wollte er tatsächlich mehr von ihr?

»Du wirst ihn doch nicht eines Tages wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz anzeigen?«, sorgte sich Susan.

»Nein, das werde ich nicht. Wäre es mir zu viel, hätte ich es längst getan«, stellte Lora klar. »Spätestens als er mich zum zehnten Mal eingeladen wollte, hätte ich die Notbremse gezogen. Es ist ja nicht so, dass er handgreiflich wurde, mich begrapscht hat oder anzügliche Bemerkungen machen würde. Er macht nur freundliche Komplimente, wogegen man eigentlich nichts sagen kann.«

Susan schwieg und schaute Lora nur nachdenklich an.

»Was ist?«, wunderte sich Lora. »Warum siehst du mich so komisch an? Bin ich schmutzig im Gesicht?« Unsicher wischte sie sich mit dem Ärmel über die Wange.

»Warum sagst du nicht endlich einmal seiner Einladung zu und gehst mit ihm aus?«, wollte Susan wissen.

 Lora war über diesen Vorschlag entsetzt. »Entschuldige die Wortwahl. Aber bist du völlig bescheuert?«

»Nein, warum denn?«, wehrte sich Susan. »Vielleicht gibt er dann endlich Ruhe?!«

»Das glaubst nur du!«, meinte Lora. »Sobald ich ihn ein Mal eingeladen habe, wird er mich erst recht belästigen, weil er sich unnötig Hoffnungen machen würde.«

Das Gespräch wurde durch das Klingeln von Loras Telefon unterbrochen. Es war ein Versicherungskunde, der seine Versicherung erweitern wollte. So war Lora die nächste halbe Stunde beschäftigt, indem sie Akten durchstöberte, Papiere einscannte und diese per E-Mail an den Kunden schickte. Schließlich kehrte sie bald an ihren Schreibtisch zurück und setzte die Aktualisierung der Kundendaten fort. 

Aus dem Augenwinkel bemerkte sie, wie Susan sie die ganze Zeit anlächelte. »Was ist los, Susan? Hast du eine neue Schnapsidee?«

»Ja, ich habe eine Bekannte, die würde sehr gut zu Ronald passen«, teilte sie mit. »Würde das klappen, hättest du für immer Ruhe vor ihm.«

Lora lehnte sich im Stuhl zurück, strich sich die blonden Strähnen aus dem Gesicht und fing an zu schmunzeln. »Hey, das klingt richtig gut. Stell sie ihm doch vor?!«

»Wie bitte soll ich das deiner Meinung nach anstellen? Hallo, Mister Rush. Ich möchte Ihnen meine Bekannte Joanne vorstellen, damit Sie künftig Lora in Ruhe lassen?«, fragte Susan ironisch.

»Ja, so geht das natürlich nicht«, gab Lora zu. »Wir sollten uns etwas einfallen lassen. Hast du eine Idee, wie man das bewerkstelligen könnte?«

Susan grinste verschmitzt. »Du bist vertrauter mit Ronald als ich und könntest sie ihm eher vorstellen.«

Lora hob erstaunt die Augenbrauen. »Ich? Um Himmels willen, er würde mich für eine Kupplerin halten.«

»Na und? Warum ist es dir so wichtig, was er über dich denkt?«, kam es von Susan wie aus der Pistole geschossen. »Du magst ihn doch sowieso nicht als Partner.«

»Es ist mir nicht wichtig, was er von mir denkt«, rechtfertigte sich Lora. »Ich will nachher nur nicht dumm dastehen, falls es nicht klappen sollte.« Lora bezweifelte, dass dieser Plan, Ronald mit einer fremden Frau zu verkuppen, aufgehen könnte.

»Würdest du dumm dastehen, wenn er Joanne begehrenswert findet und sie vielleicht letztendlich heiraten würde? Womöglich bekämen sie später sogar Kinder, die gar nicht existieren würden, hättest du ihn nicht verkuppelt?!«

Lora schaute Susan nachdenklich an. »Okay, du hast mich überzeugt, ich werde es tun. Doch zuvor möchte ich diese Joanne wenigstens ein Mal sehen, damit ich überhaupt weiß, was und wen ich ihm da präsentieren werde.«

Ein zufriedenes Lächeln stahl sich auf Susans Lippen. »Das lässt sich einrichten. Wir wäre es, wenn ich sie nach der Arbeit ins Café Lorenzo bestelle? Ihr könntet euch kurz beschnuppern und ich könnte Joanne fragen, ob sie bereit wäre, sich mit Ronald zu treffen.«

»Das klingt hervorragend. So werden wir es machen«, stimmte Lora begeistert zu.

Dann klingelte Susans Telefon. Auch sie war einige Zeit mit einem Versicherungskunden beschäftigt, bis sie wieder an ihrem Schreibtisch saß und Lora erneut von der Seite anlächelte.

»Was ist jetzt wieder los?«, fragte Lora gespielt gereizt. »Hast du einen neuen Plan ausgeheckt?«

»Ich dachte mir, du, Joanne und Ronald, ihr könntet das verlängerte Wochenende in meinem Haus am See verbringen«, schlug Susan vor.

Lora legte die Stirn in Falten. »Ich soll mein langes Wochenende ausgerechnet mit Ronald in einem einsamen Waldhaus verbringen? Hörst du dir auch selbst mal zu?«

»Du, Ronald und Joanne«, korrigierte Susan stark betont.

Lora schüttelte den Kopf. »Würden Ronald und Joanne das Wochenende dort verbringen, wäre das fantastisch. Aber was habe ich mit den beiden dort zu suchen?«

»Du bist die Kupplerin. Hast du das etwa vergessen?«, scherzte Susan. »Ohne dich, würde sich Joanne bestimmt niemals darauf einlassen, drei Tage mit einem fremden Mann unter einem Dach zu verbringen. Joanne und Ronald könnten sich in aller Seelenruhe kennenlernen und du wärst dabei, damit Ronald nicht über die Stränge schlägt. Du wärst sozusagen die Aufpasserin.«

Lora blies die Wangen auf. Sie spitzte ihren Bleistift, während Susans fragender Blick an ihr haftete. »Hör auf, mich unentwegt anzustarren. Meinetwegen, ich werde es tun.«

Susan schrie kurz auf, hielt sich dann die Hand vor den Mund und schaute sich um, ob es jemand gehört hatte. Doch die anderen drei Frauen saßen zu weit weg und waren außerdem zu beschäftigt, um den Gesprächen der beiden Kolleginnen zu folgen.

»Wer und wie ist diese Joanne eigentlich?«, erkundigte sich Lora.

»Ich kenne Joanne Connor vom Kegelklub«, berichtete Susan. »Sie ist in deinem Alter und ist eine ganz liebe Dame.«

»Wie sieht sie aus?«, interessierte sich Lora. »Ist sie hässlich, durchschnittlich oder hübsch?«

»Sie sieht fast wie du aus, genauso blaue Augen und so volle Lippen, nur ist ihr schulterlanges Haar nicht blond, sondern braun. Außerdem ist sie schlanker als du.«

»Dankeschön«, sagte Lora ironisch. »Das mit dem "Schlank" hättest du getrost weglassen können.«

»Du wolltest doch wissen, wie sie aussieht«, rechtfertigte sich Susan. »Hätte ich dich anlügen sollen?«

»Nein, das ist okay«, beschwichtigte Lora. »Ich schätze, das könnte echt was werden.«

»Ich bin überzeugt, die beiden würden sehr gut zusammenpassen. Wir kennen ja Ronalds Geschmack«, erinnerte Susan mit einem schadenfrohen Lächeln.